Berlin und Brandenburg setzen sich ein klares Ziel. Ab 2030 soll täglich ein neues Start-up entstehen. Das entspricht 365 Gründungen pro Jahr. Träger dieser Initiative ist die Start-up-Fabrik JUNI, die aus dem Exist-Leuchtturmwettbewerb des Bundes hervorgegangen ist. Für den Aufbau stehen 10 Millionen Euro öffentliche Mittel bereit. Hinzu kommen private Investitionen. Die Region zählt rund 30.000 Forscherinnen und Forscher. Dieses Potenzial soll systematisch genutzt werden. Im Mittelpunkt stehen technologiegetriebene Ausgründungen aus der Wissenschaft. Impulse für junge Unternehmen in ländlichen Räumen werden bereits unter von der Scheune ins Start-up thematisiert.
Inhaltsverzeichnis
- Thomas Heilmann und die Start-up-Fabrik JUNI
- Laura Möller und das fragmentierte Berlin
- Heike Marita Hölzner und das Berliner Hochschulgesetz
- UnternehmerTUM und die Zahl 100
Thomas Heilmann und die Start-up-Fabrik JUNI
Thomas Heilmann, Chairman von JUNI und ehemaliger Justizsenator von Berlin, verweist auf die wissenschaftliche Basis der Hauptstadtregion. Er nennt die Zahl von rund 30.000 Forschenden in Berlin-Brandenburg als Ausgangspunkt für deutlich mehr als 365 potenzielle Gründungen pro Jahr.
JUNI steht für „Just Unite to Innovate“. Die Plattform versteht sich als Bindeglied zwischen Laboren und Kapitalgebern. Im Fokus stehen Deeptech-Bereiche wie
- Künstliche Intelligenz
- Healthtech
- Greentech
Ziel ist eine strukturierte Überführung von Forschungsergebnissen in marktfähige Unternehmen. Dafür plant JUNI gemeinsame Programme, Matching-Formate und strukturierte Acceleratoren.
Laura Möller und das fragmentierte Berlin
Laura Möller, CEO von JUNI, beschreibt das Berliner Ökosystem als fragmentiert. Hochschulen, außeruniversitäre Institute, Start-ups und Venture-Capital-Fonds existieren zahlreich. Berlin gilt seit Jahren als deutsche Start-up-Hauptstadt. Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt in Brandenburg zeigen zugleich, wie stark qualifizierte Fachkräfte nachgefragt werden.
Doch gerade bei technologieorientierten Ausgründungen wird häufig München als Referenz genannt. Dort arbeiten Universitäten, Industrie und Investoren enger zusammen.
| Faktor | Berlin | München |
|---|---|---|
| Hochschullandschaft | breit verteilt | stark konzentriert |
| Industriepartner | zahlreich, dezentral | eng angebunden |
| Struktur | fragmentiert | gewachsen, integriert |
| Start-ups pro Jahr im Spitzenzentrum | Ziel 365 | rund 100 |
Heike Marita Hölzner und das Berliner Hochschulgesetz
Heike Marita Hölzner, Professorin für Entrepreneurship an der HTW Berlin, bewertet die jüngste Reform des Berliner Hochschulgesetzes als wichtigen Schritt. Transfer und Ausgründungen gehören nun ausdrücklich zum Aufgabenbereich der Hochschulen. Professorinnen und Professoren dürfen Start-ups unterstützen, ohne rechtliche Unsicherheiten.
Dennoch bleiben individuelle Anreize begrenzt, da in akademischen Karrieren vor allem Publikationen, Drittmittel und wissenschaftliche Reputation zählen. Die Betreuung eines Gründungsteams erfordert erheblichen Zeitaufwand. Dieser spiegelt sich nicht automatisch in Leistungsbewertungen oder Berufungsverfahren wider.
Weitere Hürden bestehen bei Nebentätigkeitsgenehmigungen und Beteiligungsquoten von Forschungseinrichtungen an Spin-offs. Zu hohe Anteile können Investoren abschrecken. Der institutionelle Rahmen ist angepasst. Die Umsetzung im Alltag bleibt komplex. Mehr zu strukturellen Veränderungen in Brandenburg finden Sie hier.
UnternehmerTUM und die Zahl 100
Ein Vergleich mit UnternehmerTUM zeigt die Dimension der Berliner Zielmarke. Das Gründungszentrum der Technischen Universität München wurde drei Jahre in Folge von der Financial Times als Europas bestes Gründungszentrum ausgezeichnet.
Dort entstehen trotz optimaler Bedingungen rund 100 Start-ups pro Jahr. Diese Zahl liegt deutlich unter dem Berliner Ziel von 365.
Weitere Informationen zur Entwicklung von Deeptech-Ökosystemen bietet die Analyse von DW.
Berlin hat in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Digitalunternehmen hervorgebracht. Deeptech-Gründungen gelten jedoch als kapitalintensiv und langfristig angelegt. Ob ab 2030 tatsächlich 365 Unternehmen jährlich entstehen, wird sich erst in wenigen Jahren zeigen.
FAQ
Was ist das Ziel der Start-up-Fabrik JUNI?
Das Ziel von JUNI ist es, ab dem Jahr 2030 jährlich 365 Start-ups in Berlin-Brandenburg zu gründen, also durchschnittlich ein Unternehmen pro Tag.
Wie hoch ist die staatliche Förderung für JUNI?
Für den Aufbau der Start-up-Fabrik stehen 10 Millionen Euro Fördermittel aus dem Exist-Leuchtturmwettbewerb des Bundes zur Verfügung. Zusätzlich fließen private Investitionen ein.
Auf welche Bereiche konzentriert sich JUNI?
JUNI fokussiert sich auf Deeptech-Gründungen aus der Wissenschaft, insbesondere in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Healthtech und Greentech.
Welche strukturellen Hürden bestehen an Hochschulen?
Obwohl Transfer und Ausgründungen offiziell zum Aufgabenbereich der Hochschulen gehören, fehlen individuelle Anreizmechanismen. In der akademischen Karriere zählen vor allem Publikationen, Drittmittel und wissenschaftliche Reputation.
Wie viele Start-ups entstehen jährlich bei UnternehmerTUM in München?
Beim Gründungszentrum UnternehmerTUM der Technischen Universität München entstehen trotz günstiger Rahmenbedingungen rund 100 Start-ups pro Jahr.
Quelle: TAGESSCHAU, PATIZONET