Die Rüstungs- und Sicherheitstechnikbranche in Berlin und Brandenburg wächst deutlich. Immer mehr Firmen produzieren Güter, die sowohl für zivile als auch militärische Zwecke eingesetzt werden können. In Berlin hat sich die Zahl solcher Unternehmen in nur vier Monaten von 50 auf 100 verdoppelt. Auch Brandenburg verzeichnet steigende Aktivitäten.
Inhaltsverzeichnis:
- Pierburg in Berlin steigt auf Munitionsproduktion um
- Germandrones liefert Drohnen an die Ukraine
- Nachfrage nach Satelliten- und Spezialtechnik steigt
- Bundeswehr sucht gezielt Start-ups
- Brandenburg mit neuer Munitionsfertigung
- Proteste in Lübben und Zwischenfälle in Berlin
- Wenig Widerstand im Wedding
Pierburg in Berlin steigt auf Munitionsproduktion um
Der traditionsreiche Automobilzulieferer Pierburg, Teil des Rheinmetall-Konzerns, wird ab September im Berliner Stadtteil Wedding Komponenten für Artilleriemunition fertigen. 350 Arbeitsplätze bleiben erhalten, eine Erhöhung der Belegschaft ist im Gespräch. Betriebsratschef Bernd Benninghaus spricht von einer langfristigen Perspektive am Standort. Früher arbeiteten hier 1.600 Menschen, nach Jahren des Stellenabbaus gilt die neue Produktion als entscheidende Wende. Die Zustimmung der IG Metall fiel trotz interner Kontroversen überwiegend positiv aus.
Germandrones liefert Drohnen an die Ukraine
Die 2017 gegründete Berliner Firma Germandrones begann mit Drohnen für Landwirtschaft, Vermessung und Katastrophenschutz. Bald nutzten auch Polizei und Grenzschutz ihre Modelle. Die „Songbird“-Drohne erreicht bis zu 100 Kilometer Reichweite und kann sensible Bereiche überwachen. 2022 bestellte das ukrainische Verteidigungsministerium Drohnen für Aufklärungsmissionen. Seitdem konzentriert sich die Produktion auf diese Lieferungen. Um der Nachfrage gerecht zu werden, mietete Germandrones im ehemaligen Flughafen Tegel eine komplette Halle im Frachtzentrum an.
Nachfrage nach Satelliten- und Spezialtechnik steigt
Laut Wirtschaftsförderer Stefan Franzke werden in Berlin zwar keine schweren Waffen hergestellt, jedoch hochspezialisierte Technologien. Etwa 70 Unternehmen mit rund 10.000 Beschäftigten produzieren Kleinstsatelliten. Diese dienen unter anderem der Schadensanalyse aus der Luft, können aber auch militärische Ziele aufspüren. Weitere Beispiele sind:
- Kryptosysteme mit hoher Sicherheit
- Unterbrechungsfreie Stromversorgung
- Wirkstoffe gegen ABC-Angriffe
- Medizintechnik für den Feldeinsatz
- Exoskelette für Bergungsarbeiten
- Quantensensoren zur Erkennung unterirdischer Anlagen
- Unterwassersensoren für den Schutz von Hafenanlagen
Eine Berliner Firma, die anonym bleiben möchte, ermöglicht der Ukraine zudem, Drohnenproduktion über Cloud-Technologie aus sicherer Entfernung zu steuern.
Bundeswehr sucht gezielt Start-ups
Seit 2017 betreibt die Bundeswehr in Berlin den „Cyber Innovationhub“. Rund 50 Soldaten und Zivilisten ermitteln dort technische Bedarfe und suchen Partnerunternehmen. Der Rüstungsmarkt ist stark reguliert, besonders bei waffennaher Technik gelten strenge Gesetze. Unternehmen benötigen daher intensive Betreuung, unter anderem durch die Berliner Wirtschaftsförderung.
Brandenburg mit neuer Munitionsfertigung
Das Potsdamer Wirtschaftsministerium bestätigt wachsende Dual-Use-Aktivitäten, besonders in Antriebs- und Turbinentechnik, mobiler Energieversorgung und IT. In Lübben (Dahme-Spreewald) fertigen Diehl Defence und Tauber seit Juni im „Spreewerk“ Munition für die Bundeswehr. Die Nachfrage ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs stark gestiegen. Zu DDR-Zeiten wurde hier Kalaschnikow-Munition produziert.
Proteste in Lübben und Zwischenfälle in Berlin
In Lübben sammelte die Bürgerinitiative „Unser Lübben“ 1.600 Unterschriften gegen die neue Produktion. In Berlin kam es im Juni zu einem Brandanschlag auf den Chipzulieferer Microresist. Eine linke Gruppe übernahm die Verantwortung.
Wenig Widerstand im Wedding
Beim Umbau von Pierburg zum Rüstungszulieferer blieb es in Berlin-Wedding ruhig. Anwohner erkundigten sich vor allem nach der Art der Produktion. Da keine explosiven Stoffe gefertigt werden, ließ die anfängliche Skepsis nach. Russlands Krieg gegen die Ukraine und die geänderte NATO-Politik haben laut Franzke zu einem spürbaren Bewusstseinswandel geführt.
Quelle: RBB24, www.24edu.info/de