Start für Verein Oderblüten
Start für Verein Oderblüten, Foto: Pixabay

Seit eineinhalb Jahren ist der private Besitz und Konsum von Cannabis in Brandenburg erlaubt. Die Erwartungen waren hoch: weniger Schwarzmarkt, mehr Kontrolle, weniger Kriminalität. Doch die ersten Ergebnisse zeichnen ein gemischtes Bild.

  • 18 Anbauvereinigungen besitzen bereits eine Genehmigung
  • Jugendliche konsumieren etwas weniger Cannabis
  • Der Schwarzmarkt bleibt weiterhin aktiv
  • Polizei und Politik ziehen unterschiedliche Schlüsse

Inhaltsverzeichnis:

Verein Oderblüten in Frankfurt (Oder)

Der Verein „Oderblüten“ hat sich Räume am Stadtrand von Frankfurt (Oder) gesichert. Dort sollen Büro, Lager und Verkaufsraum entstehen. Samuel Baldzikowski erklärt, dass die Suche nach einem Standort viel Zeit und Geld gekostet hat. In einem Gewerbegebiet durfte sich die Gemeinschaft nicht niederlassen. Stattdessen mussten sie in einem Mischgebiet geeignete Räume finden.

Die Kosten für die Sanierung sind hoch. Fenster müssen versiegelt, Türen gesichert und Kameras installiert werden. Erst danach können die Pflanzen einziehen. Aktuell zählt der Verein etwa 20 Mitglieder. Zusätzlich gibt es rund 50 bis 60 Interessierte. Die Kapazitätsgrenze liegt bei 500 Personen.

Bericht der Universitäten Hamburg, Düsseldorf und Tübingen

Ein Zwischenbericht zeigt, dass die erhoffte Verdrängung des Schwarzmarktes bislang nicht eingetreten ist. Die Forscher stellen fest, dass die Anbauvereine bisher keinen relevanten Beitrag zur Reduzierung des illegalen Handels leisten.

Positiv fällt jedoch auf, dass der Konsum unter Jugendlichen leicht zurückgeht. Trotzdem meldet die Polizei weiterhin große Funde:

  1. 100 Kilogramm Cannabis in Werder an der Havel sichergestellt
  2. Illegale Plantage in Elbe-Elster entdeckt
  3. Zahlreiche Ermittlungen ohne Rückgang

Positionen von Polizei, CDU und AfD

Beate Kardels, Sprecherin des Polizeipräsidiums Brandenburg, berichtet von gleichbleibend starker Aktivität des Schwarzmarktes. Die Polizei stellte in den vergangenen Wochen mehrfach große Mengen sicher.

Die CDU sieht das Gesetz kritisch. Rainer Genilke betont, dass viele Vereine bereits aufgegeben hätten. Für ihn bleibt Cannabis eine Droge. Auch die AfD teilt diese Sicht. Dennis Hohloch erklärt, dass seine Partei Cannabis nur für medizinische Zwecke für sinnvoll hält.

Auswirkungen auf Kriminalstatistik und Verkehr

Die Teillegalisierung verändert die Polizeistatistik. Die Zahl der Drogendelikte sinkt, da der Besitz kleiner Mengen keine Straftat mehr darstellt. Gleichzeitig steigen die Zahlen im Straßenverkehr. 2023 gab es 96 Unfälle im Zusammenhang mit Cannabis, 2024 bereits 120. Das entspricht einem Anstieg von 25 Prozent.

Anstieg der Zahl der Verkehrsunfälle
Anstieg der Zahl der Verkehrsunfälle, Foto: Pixaba

Forderungen nach mehr Prävention

Andrea Hardeling von der Landesstelle für Suchtfragen fordert mehr Angebote für Jugendliche. Sie kritisiert, dass das Gesetz keine Regelungen zur Prävention enthält. Frühintervention und Programme für junge Erwachsene fehlen.

Ihrem Ansicht nach sei es zu früh, das Gesetz als gescheitert zu bewerten. In anderen Ländern habe es Jahre gedauert, bis Effekte sichtbar wurden.

Nächste Schritte für den Verein Oderblüten

Im Dezember prüft das Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit das Gebäude des Vereins. Wenn die Abnahme erfolgt, kann die Produktion beginnen. Baldzikowski rechnet mit einem Start Ende des Jahres oder spätestens Anfang 2026.

Für die Mitglieder bedeutet dies, dass nach langen Vorbereitungen die ersten Pflanzen wachsen können. Ob damit der Schwarzmarkt spürbar geschwächt wird, bleibt jedoch offen.

Quelle: rbb24