Polizei durchsucht Wohnungen und entdeckt Simfarm in Berlin
Polizei durchsucht Wohnungen und entdeckt Simfarm in Berlin, Foto: Pixabay/Pixabay-Lizenz

Die Berliner Polizei hat eine Gruppe mutmaßlicher Internetbetrüger festgenommen, die auf digitale Angriffe spezialisiert war. Die Ermittler fanden umfangreiche technische Ausrüstung, darunter SIM-Karten, Telefone und Computer, mit denen die Täter massenhaft gefälschte Nachrichten verschickten. Diese Nachrichten dienten dazu, persönliche Daten zu stehlen und Schadsoftware auf Mobilgeräten zu verbreiten.

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Fund in Berlin-Tempelhof und Brandenburg

Bei den Durchsuchungen von Wohnungen in Berlin-Tempelhof und im Land Brandenburg stießen die Beamten auf eine sogenannte Simfarm – eine Maschine, die mit Hunderten SIM-Karten ausgestattet war. Mit ihr konnten gleichzeitig Tausende Kurzmitteilungen verschickt werden. Die Polizei teilte über ihren Kanal mit, dass solche Geräte genutzt werden, um Phishing-SMS täuschend echt erscheinen zu lassen.

Die Nachrichten nutzten bekannte psychologische Methoden. Sie erzeugten Zeitdruck, indem sie beispielsweise auf angeblich fehlgeschlagene Paketlieferungen hinwiesen, oder sie gaben sich als Mitteilungen von Banken aus. Über die beigefügten Links gelangten die Empfänger auf nachgeahmte Internetseiten, auf denen sie zur Eingabe ihrer Bank- oder Kreditkartendaten aufgefordert wurden.

Ein Teil der Opfer lud beim Anklicken der Links unbemerkt Schadsoftware auf das Smartphone, die anschließend Daten ausspähte und sich über weitere Nachrichten verbreitete.

Neue Angriffsmethoden über verschlüsselte Dienste

Besonders kritisch war der Einsatz moderner Kommunikationsprotokolle wie iMessage oder Rich Communication Services. Diese sind verschlüsselt und sollten eigentlich Sicherheit gewährleisten. Durch die Verschlüsselung können Netzbetreiber die Inhalte jedoch nicht prüfen. Betrüger nutzten zudem die Möglichkeit, Gruppennachrichten mit eigenen Namen zu versehen, etwa „Post Zustell-Info“, was den Eindruck offizieller Mitteilungen vermittelte.

In Deutschland wurden 2024 mehr als 37 Millionen Phishing-Versuche registriert, was einem Anstieg von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Weltweit stieg die Zahl solcher Angriffe 2023 um über 40 Prozent auf 709 Millionen Fälle. Deutschland liegt europaweit auf Platz 4 und war 2024 international das Land mit den zweithöchsten Phishing-Zahlen.

Wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe

Der Gesamtschaden durch Cyberangriffe, Datendiebstahl und Sabotage erreichte 2025 in Deutschland einen Rekordwert von 289 Milliarden Euro. Etwa 70 Prozent davon entfielen auf digitale Angriffe – rund 202 Milliarden Euro. Die Zahlen zeigen, wie groß die Bedrohung für Unternehmen und Privatpersonen geworden ist.

Die Kriminalpolizei aus Paderborn in Nordrhein-Westfalen war an der Aktion beteiligt. Sie hatte die Durchsuchungen beim Gericht beantragt. Damit setzten die Ermittler ein deutliches Signal gegen den zunehmenden digitalen Betrug.

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Auch wirtschaftliche Auswirkungen moderner Technologien in der Region beschreibt der Bericht Tesla in Grünheide verändert Brandenburgs Wirtschaft.

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Quelle: Tagesschau