Ein einzelner Schritt ins Gleisbett kann schwere Folgen haben. In Berlin endete ein solcher Moment am Wochenende tödlich. Technische Anlagen, hohe Spannungen und der laufende Betrieb machen den Bereich von S- und U-Bahn zu einer ständigen Gefahrenzone, insbesondere im Zusammenhang mit dem Ausbau und Betrieb des öffentlichen Nahverkehrs in der Hauptstadtregion, mehr hier. Ein 17 Jahre alter Jugendlicher ist am Wochenende in Berlin gestorben, nachdem er beim Versuch, einen Gegenstand aus dem Gleisbett der U-Bahn zu holen, einen tödlichen Stromschlag erlitt. Der Vorfall lenkte erneut den Blick auf Risiken, vor denen die Berliner Verkehrsbetriebe, die S-Bahn und die Polizei regelmäßig warnen. Das Betreten des Gleisbereichs kann jederzeit lebensgefährlich sein und tödlich enden, was auch bei betrieblichen Änderungen und neuen Regelungen im Bahnverkehr eine Rolle spielt, hier ansehen.
Inhaltsverzeichnis
- Gefahren durch züge und stromschiene
- U-bahn linien U1 bis U9 in Berlin
- 750 volt gleichspannung und körperliche folgen
- Richtiges verhalten im notfall
- Umgang mit verlorenen gegenständen
Gefahren durch züge und stromschiene
Im Gleisbett besteht eine doppelte Bedrohung. Einerseits durch ein- und durchfahrende Züge. Andererseits durch die Stromschiene. Diese steht dauerhaft unter Hochspannung und ist weder isoliert noch vollständig abgedeckt. Auch ohne sichtbaren Zug bleibt die Gefahr bestehen.
Die Stromschiene verläuft als dritte Schiene seitlich und parallel zu den Fahrschienen. Meist liegt sie auf der dem Bahnsteig abgewandten Seite. Bei der BVG ist sie in der Regel gelb abgedeckt. Bei der Berliner S-Bahn ist sie grau. Ihre Position ist konstant, ihre Wirkung tödlich.
U-bahn linien U1 bis U9 in Berlin
Die Bauweise unterscheidet sich je nach Linie. Bei den U-Bahn-Linien U1 bis U4 im Kleinprofil ist die Stromschiene nach oben offen. Bei den Linien U5 bis U9 ist sie nach unten offen. Gleiches gilt für die Berliner S-Bahn.
Unabhängig vom Streckenabschnitt führen die Stromschienen dauerhaft 750 Volt Gleichspannung. Laut BVG und S-Bahn gelten Gleichspannungen über 120 Volt als lebensgefährlich. Ein Stromschlag kann auch ohne direkte Berührung entstehen. Ein Lichtbogen reicht aus.
750 volt gleichspannung und körperliche folgen
Ein Überleben nach Kontakt mit 750 Volt ist möglich, bleibt jedoch die Ausnahme. Stromschläge durch Starkstrom verursachen schwere Verletzungen. Dazu zählen innere und äußere Verbrennungen, Herzrhythmusstörungen sowie Muskel- und Nervenschäden. Kunststoffsohlen bieten bei dieser Spannung keinen Schutz.
Auf einer Veranstaltung vor Schülern sagte Andreas Kempcke vom Präventionsteam der Deutschen Bahn wörtlich: Wer auf ein S-Bahn-Gleis tritt, begibt sich in höchste Lebensgefahr. In der Stromschiene direkt neben dem Gleis liegen 750 Volt Gleichspannung an. Bei Kontakt drohen ein Stromschlag und Verbrennungen.
Richtiges verhalten im notfall
Gerät eine Person ins Gleisbett, gilt eine klare Regel. Nicht hinterherspringen. Sofort den roten Alarmgriff oder den Notrufknopf an der Säule am Bahnsteig betätigen. Dadurch werden Züge gestoppt und eine Verbindung zur Leitstelle hergestellt. Die Stromschiene bleibt jedoch weiterhin unter Spannung, bis sie durch Personal abgeschaltet wird.
Wer selbst im Gleisbett steht, sollte ruhig bleiben und Abstand zur Stromschiene halten. Hilfe rufen ist entscheidend. Die Mitte zwischen den Schienen ist zunächst sicherer als die Seite mit der Stromschiene. Fährt ein Zug ein, sollte man sich flach zwischen die Schienen legen. In vielen Bahnhöfen gibt es zusätzlich einen Unterrollraum unter der Bahnsteigkante, MEHR.
Umgang mit verlorenen gegenständen
Fällt ein persönlicher Gegenstand ins Gleis, ist Geduld gefragt. Handy, Geldbörse oder Handschuh dürfen nicht selbstständig zurückgeholt werden. Stattdessen soll der gelbe Knopf an der Notrufsäule gedrückt werden, um die Leitstelle zu informieren.
Nach Angaben einer BVG-Sprecherin werden solche Gegenstände aus Sicherheitsgründen und zum Schutz des Betriebsablaufs erst nach Betriebsschluss aus dem Gleisbett geborgen. Der Aufenthalt im Gleis bleibt bis dahin tabu.
FAQ
Warum ist das Betreten des Gleisbetts lebensgefährlich?
Das Gleisbett ist gefährlich, weil dort Züge verkehren und zusätzlich Stromschienen dauerhaft unter Hochspannung stehen, die nicht vollständig isoliert sind.
Steht die Stromschiene auch ohne Zug unter Spannung?
Ja, die Stromschienen der Berliner U-Bahn und S-Bahn stehen dauerhaft unter 750 Volt Gleichspannung, auch wenn gerade kein Zug fährt.
Wo befindet sich die Stromschiene im Gleisbett?
Die Stromschiene liegt als dritte Schiene seitlich und parallel zu den Fahrschienen, meist auf der vom Bahnsteig abgewandten Seite.
Welche Spannung führt die Stromschiene in Berlin?
Die Stromschienen führen dauerhaft 750 Volt Gleichspannung, was deutlich über der als lebensgefährlich geltenden Grenze von 120 Volt liegt.
Kann ein Stromschlag auch ohne direkte Berührung entstehen?
Ja, ein Stromschlag ist auch ohne direkte Berührung möglich, wenn sich ein Lichtbogen bildet und der Strom überspringt.
Was soll man tun, wenn jemand ins Gleisbett fällt?
Man soll nicht hinterherspringen, sondern sofort den roten Alarmgriff oder den Notrufknopf am Bahnsteig betätigen und die Leitstelle informieren.
Wie verhält man sich, wenn man selbst im Gleisbett steht?
Man sollte ruhig bleiben, Abstand zur Stromschiene halten, um Hilfe rufen und sich bei einfahrendem Zug flach zwischen die Schienen legen.
Darf man heruntergefallene Gegenstände selbst aus dem Gleis holen?
Nein, Gegenstände dürfen nicht selbstständig aus dem Gleisbett geholt werden, sondern werden aus Sicherheitsgründen erst nach Betriebsschluss geborgen.
Quelle: TAGESSCHAU, GLOBEWINGS