Kurze Pause ohne Handys
Kurze Pause ohne Handys, Foto: Pixabay

In Brandenburg gilt seit Beginn des neuen Schuljahres ein offizielles Verbot privater Handynutzung im Unterricht. Die Regel betrifft Grund- und Förderschulen im gesamten Bundesland. Während viele Eltern die Maßnahme begrüßen, äußern Gewerkschaften und Schülervertretungen Kritik.

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Gerhart-Hauptmann-Grundschule in Potsdam

An der Gerhart-Hauptmann-Grundschule in Potsdam ist die Situation nicht neu. Dort gilt das Handyverbot bereits seit Jahren, auch in den Pausen. Rund 300 Schülerinnen und Schüler starteten am Montag mit einer Tanzchoreografie und einem Countdown in das neue Schuljahr. Schulleiterin Sabine Röding-Kanwischer betonte, dass Handys nur in Ausnahmefällen für den Unterricht zugelassen werden, wenn es an digitalen Lernmitteln fehlt.

Lehrerin Corinna Müller-Rochhausen sieht den direkten Kontakt zwischen Kindern als vorrangig. Sie unterstreicht, dass Pausen für Gespräche und gemeinsames Spielen da seien. Falls Kinder ihre Eltern erreichen müssten, helfe das Schulbüro.

Eltern zwischen Zustimmung und Sorge

Viele Eltern befürworten die neue Regelung. Familienvater Christian Bedorf sieht in Handys eine Überforderung für Kinder und Eltern. Vater Stephan Schröder warnt zudem vor frühen Erfahrungen mit sozialen Medien. Er spricht von der Gefahr von Mobbing.

Andere Stimmen sind zurückhaltender. Mutter Nicola Brandin findet den strikten Umgang nicht immer passend. Ihr Sohn Emilio akzeptiert das Verbot zwar, möchte aber in besonderen Situationen erreichbar bleiben.

Zentrale Elternargumente

  • Handys verursachen Stress.
  • Gefahr von Mobbing über soziale Medien.
  • Kinder brauchen klare Regeln.
  • Erreichbarkeit für Notfälle bleibt wichtig.

Zweifel von Verbänden und Schülervertretungen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sowie der Landesschülerrat sehen das Verbot kritisch. Sie bezeichnen es als „Nebenschauplatz“ und werfen der Landesregierung vor, von wichtigeren Problemen im Bildungswesen abzulenken. Sie fordern mehr Einsatz bei Themen wie Unterrichtsqualität und Ausstattung.

Gleichzeitig erkennen Experten den Nutzen klarer Vorgaben an. Professor Klaus Zierer von der Universität Augsburg warnt, dass private Handys Kinder im Unterricht stark ablenken. Forschungsergebnisse würden zeigen, dass dadurch die Aufmerksamkeit sinke.

Medienkompetenz als Ergänzung

Damit Kinder dennoch lernen, digitale Inhalte richtig zu nutzen, hat Brandenburg ein begleitendes Angebot eingeführt. Jede Klasse erhält eine Stunde pro Woche Computerunterricht. So sollen die Schülerinnen und Schüler Medienkompetenz erwerben, ohne von privaten Geräten abgelenkt zu werden.

Die Verordnung gibt den Schulen zwar eine einheitliche Grundlage, lässt aber Raum für eigene Entscheidungen. Ob auch in Pausen Handys tabu sind, liegt weiterhin bei den einzelnen Einrichtungen. In Potsdam gilt dieses Verbot schon seit Langem.

Quelle: Tagesschau, YouTube