Die starken Niederschläge im Juli haben viele Pflanzen und Böden in Deutschland entlastet. In mehreren Regionen sind die Wasserspeicher so voll, dass selbst längere Hitzeperioden überstanden werden können. Dennoch bleiben langfristige Trockenheitsprobleme bestehen.
Inhaltsverzeichnis:
- Andreas Marx und die Folgen der Juli-Regenfälle
- Unterschiedliche Lage in den Bundesländern
- Mehr als 60 Prozent der Böden in der EU geschädigt
- Langfristige Trockenheit bleibt ein Problem
Andreas Marx und die Folgen der Juli-Regenfälle
Der ungewöhnlich nasse Juli hat sich deutlich auf die Vegetation ausgewirkt. In Gebieten mit hohen Niederschlägen konnten sich gestresste Pflanzen rasch erholen. Vertrocknete Rasenflächen in Städten wurden innerhalb weniger Tage wieder grün. Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung bestätigte, dass Pflanzen Wasser schnell aus dem Boden ziehen können.
Besonders im Norden und Nordosten gab es große Niederschlagsmengen. In Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und weiten Teilen Brandenburgs fiel doppelt so viel Regen wie üblich. Die oberen 25 Zentimeter der Böden sind hier komplett durchfeuchtet. Auch in Rheinland-Pfalz, im Saarland, im Norden von Baden-Württemberg und im Süden Bayerns wurden die Böden stark mit Wasser gesättigt.
Unterschiedliche Lage in den Bundesländern
Nicht alle Regionen profitierten gleichermaßen. Im Ruhrgebiet, in großen Teilen Thüringens und im Norden Bayerns blieb es vergleichsweise trocken. Dort sind die oberen 60 Zentimeter des Bodens teils außergewöhnlich trocken, was Landwirte vor große Probleme stellt. Besonders der Maisanbau im Juli und August ist betroffen.
Wie sich die Situation weiter entwickelt, hängt von der Dauer der Hitze und der Menge an Regen im Spätsommer ab. In Brandenburg reicht die Wasserversorgung voraussichtlich mindestens bis Ende August, da die Böden dort sehr nass sind. Eine zweiwöchige Hitzewelle könnte überstanden werden.
Übersicht der Niederschlagslage:
- Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg – doppelte Niederschlagsmengen.
- Rheinland-Pfalz, Saarland, Norden Baden-Württembergs, Süden Bayerns – überdurchschnittlich viel Regen.
- Ruhrgebiet, Thüringen, Norden Bayerns – ungewöhnlich trocken.
Mehr als 60 Prozent der Böden in der EU geschädigt
Böden sind für viele Funktionen unverzichtbar. Sie speichern Kohlenstoff, reinigen Wasser, liefern Nährstoffe und sichern die Ernährung. Mehr als die Hälfte aller Böden in der EU gilt jedoch als geschädigt. Ursachen sind Flächenversiegelung, intensive Landwirtschaft und Klimawandel.
Der „Bodenatlas 2024“ der Heinrich-Böll-Stiftung und des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland zeigt, dass rund 60 Prozent der Flächen betroffen sind. Gesunde Böden mit stabiler Porenstruktur wirken wie ein Schwamm, viele jedoch haben diese Fähigkeit verloren.
Langfristige Trockenheit bleibt ein Problem
Trotz der starken Juli-Regenfälle konnten alte Schäden nicht ausgeglichen werden. Marx erklärte, dass der gesamte Boden bis in zwei Meter Tiefe nur durch mindestens drei extrem nasse Monate befeuchtet werden könnte.
In einigen Regionen, etwa östlich von Berlin im Landkreis Barnim, sind Grundwasserpegel deutlich gestiegen. Allerdings betrifft dies nur Gebiete, in denen das Grundwasser nah an der Oberfläche liegt. Ab einer Tiefe von etwa zehn Metern bleibt der Effekt aus. Normalerweise füllen sich die Speicher ohnehin erst in den Herbst- und Wintermonaten wieder auf.
Die Juli-Regenfälle haben Deutschland kurzfristig Entlastung gebracht, aber die strukturellen Probleme der Böden bleiben bestehen.
Quelle: Kieler Nachrichten