Werksschließung in Britz mit Folgen für 500 Arbeitsplätze
Werksschließung in Britz mit Folgen für 500 Arbeitsplätze, Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Die Wurstproduktion in Britz im Landkreis Barnim steht vor einem tiefgreifenden Einschnitt. Das traditionsreiche Werk gehört seit 2023 zur Tönnies-Gruppe. Nun ist die Einstellung der Produktion terminiert. Die Entscheidung betrifft Hunderte Beschäftigte und hat regionale Bedeutung. Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt in Brandenburg rücken damit erneut in den Fokus. Die Produktion der Eberswalder Wurstwerke in Britz wird bis zum 28. Februar 2026 vollständig eingestellt. Das bestätigte ein Sprecher der EWN Wurstspezialitäten GmbH & Co. KG. Rund 500 Mitarbeitende verlieren damit ihren Arbeitsplatz. Die Marke „Eberswalder“ soll jedoch weiter bestehen.

Inhaltsverzeichnis:

Werk Britz Barnim

Die Eberswalder Wurstwerke sind Teil der Zur-Mühlen-Gruppe, einer Tochter der Tönnies-Holding. Nach Angaben des Unternehmens gibt es unter den aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen keine tragfähige Perspektive für den Standort. Stagnierende oder sinkende Absatzmengen, anhaltender Preisdruck und zunehmender internationaler Wettbewerb belasteten das Geschäft.

Zusätzlich stiegen in den vergangenen Jahren die Kosten deutlich. Betroffen sind unter anderem Löhne, Energie, Logistik und Betriebsstoffe. Laut Pressesprecher Markus Eicher hätten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dadurch kontinuierlich verschärft. Diese Entwicklung steht im Zusammenhang mit branchenweiten Effekten wie steigenden Personalkosten, über die auch deutlich steigende Kosten in anderen Wirtschaftsbereichen berichtet werden.

Markus Eicher EWN

Gleichzeitig wären in Britz weitere Investitionen notwendig gewesen. Genannt wurden neue Kälteanlagen und technische Modernisierungen. Diese hätten sich langfristig nicht refinanzieren lassen. Die Unternehmensführung und der Betriebsrat einigten sich nach intensiven Gesprächen auf einen Interessenausgleich sowie einen Sozialplan für alle Beschäftigten.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten reagierte mit Kritik. Uwe Ledwig, Vorsitzender des NGG-Landesbezirks Ost, sprach von einer strikt renditeorientierten Unternehmensstrategie. Investitionen, die nach der Übernahme angekündigt worden seien, seien ausgeblieben.

Betriebsverfassungsgesetz §112a

Hintergrund der Kritik ist ein rechtlicher Sonderfall. Nach § 112a des Betriebsverfassungsgesetzes sind Betriebe in den ersten vier Jahren nach ihrer Gründung von verpflichtenden Sozialplänen ausgenommen. Die Zur-Mühlen-Gruppe wertete die Übernahme im Jahr 2023 formal als Neugründung. Der Standort selbst besteht seit Jahrzehnten.

Diese rechtliche Auslegung verschaffte dem Arbeitgeber laut Gewerkschaft erheblichen Verhandlungsspielraum. Gesetzliche Rahmenbedingungen stehen dabei zunehmend im Mittelpunkt öffentlicher Debatten, wie mehr hier dokumentiert wird. Nach Gewerkschaftsangaben erhalten die Beschäftigten eine Abfindung von 0,25 Bruttomonatsgehältern pro Beschäftigungsjahr.

Geschichte Eberswalde DDR

Der Standort in Eberswalde wurde in den 1970er-Jahren gegründet. Zu DDR-Zeiten zählte das Werk zu den größten Fleischbetrieben Europas. Damals arbeiteten dort über 3.000 Menschen. Heute ist der Betrieb vor allem durch die Marke „Eberswalder“ bekannt, die seit Jahrzehnten in vielen Supermärkten Ostdeutschlands präsent ist.

Die Marke soll trotz der Schließung erhalten bleiben. Die Produkte werden künftig an anderen Standorten hergestellt, überwiegend in ostdeutschen Betrieben. Damit endet die industrielle Nutzung des Standorts in Britz, während die wirtschaftlichen Folgen für die Region Barnim weiter spürbar bleiben.

Standort auf Google Maps prüfen:

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Quelle: Tagesschau, Milekcorp

FAQ

Wann endet die Produktion der Eberswalder Wurstwerke in Britz?

Die Produktion am Standort Britz im Landkreis Barnim soll nach Angaben des Unternehmens bis zum 28. Februar 2026 vollständig eingestellt werden.

Wie viele Beschäftigte sind von der Schließung betroffen?

Am Standort Britz arbeiten rund 500 Mitarbeitende, die im Zuge der geplanten Werksschließung ihren Arbeitsplatz verlieren werden.

Warum wird der Standort Britz geschlossen?

Als Gründe nennt das Unternehmen unter anderem stagnierende oder rückläufige Absatzmengen, anhaltenden Preisdruck, zunehmenden internationalen Wettbewerb sowie deutlich gestiegene Kosten für Löhne, Energie, Logistik und Betriebsstoffe.

Bleibt die Marke „Eberswalder“ trotz der Schließung erhalten?

Ja, die Marke „Eberswalder“ soll weiterhin bestehen. Die Produkte sollen künftig an anderen Standorten hergestellt werden, vor allem in ostdeutschen Betrieben.

Welche Rolle spielt das Betriebsverfassungsgesetz bei den Abfindungen?

Nach § 112a des Betriebsverfassungsgesetzes sind Betriebe in den ersten vier Jahren nach ihrer Gründung von verpflichtenden Sozialplänen ausgenommen. Die Übernahme des Werks im Jahr 2023 wurde formal als Neugründung gewertet.

Wie hoch fallen die Abfindungen für die Beschäftigten aus?

Nach Angaben der Gewerkschaft erhalten die Mitarbeitenden eine Abfindung in Höhe von einem Viertel eines Bruttomonatsgehalts pro Beschäftigungsjahr.

Seit wann besteht der Standort Eberswalde?

Der Standort wurde in den 1970er-Jahren gegründet und war zu DDR-Zeiten eines der größten Fleischwerke Europas mit mehr als 3.000 Beschäftigten.

Wer kritisiert die Schließung des Werks?

Kritik kommt unter anderem von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten sowie von politischen Vertretern aus Brandenburg, die insbesondere die soziale Absicherung der Beschäftigten bemängeln.