Mehr als 11.000 Einbrüche allein in zwei Bundesländern, durchschnittlich vierstellige Schäden und eine niedrige Aufklärungsquote – der Wohnungseinbruch bleibt ein relevantes Problem. Dabei lassen sich viele Taten verhindern, wenn gezielte Maßnahmen ergriffen werden. Besonders in der Ferienzeit steigt die Gefahr, Opfer zu werden. Wer verreist, sollte daher Vorkehrungen treffen, um das eigene Zuhause zu schützen. Eine Übersicht der Zahlen, Täterprofile und empfohlener Schutzmaßnahmen hilft, Risiken realistisch einzuschätzen – und gezielt zu minimieren.
Inhaltsverzeichnis
- Berlin 2024 - 8.529 Einbrüche mit 8.000 Euro Schaden im Schnitt
- Brandenburg - Bessere Aufklärungsquote, aber niedrigere Beute
- Typische Ziele und Täter - Ältere Menschen besonders gefährdet
- So lässt sich das Zuhause effektiv sichern
- Was man besser vermeiden sollte
- Verhalten im Ernstfall
- Rechte von Mietern und Vermietern
Berlin 2024 - 8.529 Einbrüche mit 8.000 Euro Schaden im Schnitt
Die Hauptstadt verzeichnet im Jahr 2024 insgesamt 8.529 Einbrüche in Wohnungen und Einfamilienhäuser. Aufgeklärt wurden davon laut polizeilicher Kriminalitätsstatistik nur rund zehn Prozent. Die durchschnittliche Schadenssumme: über 8.000 Euro pro Fall.
46 Prozent der Einbruchsversuche scheiterten jedoch, vor allem durch gute Sicherungstechnik. Laut Polizei sind die meisten Täter Gelegenheitseinbrecher, die schnell und unauffällig agieren wollen. Stoßen sie auf Widerstand, brechen sie den Versuch oft nach wenigen Minuten ab.
Besonders gefährdet sind Erdgeschosswohnungen. Einbrecher meiden höhere Stockwerke, da dort der Zugang komplizierter ist. Hinzu kommt: Dunkelheit spielt den Tätern in die Karten. In der dunklen Jahreszeit steigen die Fallzahlen spürbar an – häufig, wenn die Bewohner noch auf der Arbeit sind.
Brandenburg - Bessere Aufklärungsquote, aber niedrigere Beute
Die Polizei registrierte 2.557 Einbrüche in Wohnungen und Häuser. Die Aufklärungsquote lag bei 17,7 Prozent – deutlich höher als in Berlin. Dafür war die durchschnittliche Beute mit rund 3.698 Euro pro Fall niedriger.
Kriminaloberkommissar Dieter Melzner verweist auf einen besonderen Aspekt: Auch kleine Orte werden gezielt aufgesucht. Täter gehen davon aus, dass dort weniger in Sicherheit investiert wurde. Auch gepflegte Häuser oder hochwertige Autos vor der Tür können die Attraktivität für Einbrecher steigern.
Fenster und Türen werden mit Schraubenziehern aufgehebelt. Manchmal werden Säuren verwendet, um Schlösser zu zerstören. Auch Tricks wie unauffällige Klebestreifen an Türrahmen kommen zum Einsatz, um zu prüfen, ob jemand zu Hause ist.
Typische Ziele und Täter - Ältere Menschen besonders gefährdet
Die Täter stammen häufig aus zwei Gruppen: Gelegenheitseinbrecher in Notlagen und professionelle Banden mit klarer Planung. Letztere nehmen größere Risiken in Kauf, um hochwertige Beute zu machen. Laut einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen von 2017 achten sie dabei auf äußere Hinweise wie Luxusautos oder ordentliche Vorgärten.
Ältere Menschen sind oft gezielte Opfer. Die Täter vermuten dort Schmuck, Bargeld oder Gold im Haus – und eine geringere körperliche Gegenwehr. In vielen Fällen wird deshalb bewusst auf ältere Bewohner abgezielt.
Diese Art der Einbruchskriminalität folgt einem klaren Muster:
- Spionagephase: Täter beobachten Haus oder Wohnung vorab.
- Zugang: Meist über Fenster, Balkontüren oder schlecht gesicherte Türen.
- Beutesuche: Besonders gefragt sind Bargeld, Schmuck, Uhren und Gold.
- Flucht: Schnell und unauffällig – innerhalb weniger Minuten.
So lässt sich das Zuhause effektiv sichern
Polizeihauptkommissar Mario Heinemann empfiehlt mechanische Sicherungssysteme vor digitaler Technik. Besonders wichtig sind:
- Abschließbare Fenstergriffe
- Zusätzliche Türschlösser mit Sperrriegel
- Einbruchhemmende Fenster (mindestens Widerstandsklasse RC 2)
- Türspione
Zeitschaltuhren für Licht und Rollläden können Anwesenheit vortäuschen. Die Polizei bietet dazu kostenlose Beratung vor Ort, angepasst an die jeweilige Bausubstanz.
Eine Tabelle zeigt die empfohlene Ausstattung für Einbruchschutz nach Risikoebene:
| Risikofaktor | Empfohlene Maßnahme | Zusätzliche Hinweise |
|---|---|---|
| Erdgeschosswohnung | Abschließbare Fenster, Zusatzschlösser | Keine Möbel als Aufstiegshilfe draußen |
| Ländliche Region | Anwesenheit simulieren, Nachbarn einbeziehen | Briefkasten leeren, Rasen mähen |
| Dunkle Jahreszeit | Zeitschaltuhren, Außenbeleuchtung | Rollläden automatisieren |
| Ältere Bewohner | Wertsachen sichern, Beratung durch Polizei | Keine Hinweise auf Urlaub in sozialen Medien |
Die Anwesenheit von Nachbarn ist ein wirkungsvoller Schutzfaktor. Wer seine Nachbarn bittet, regelmäßig nach dem Rechten zu sehen, erhöht die Sicherheit erheblich.
Was man besser vermeiden sollte
Einige Schutzmaßnahmen wirken nur scheinbar sicher:
- Gekippte Fenster gelten als offen.
- Rolläden ständig unten signalisieren Abwesenheit.
- Schlüssel unter der Fußmatte sind leicht auffindbar.
- Fake-Kameras oder Attrappen werden von erfahrenen Tätern schnell erkannt.
Fotos aus dem Urlaub in sozialen Medien liefern potenziellen Einbrechern klare Hinweise, dass niemand zu Hause ist.
Verhalten im Ernstfall
Wenn eingebrochen wurde, sollte man zunächst keine Spuren beseitigen. Die Polizei muss zuerst den Tatort freigeben. Fotos für die Versicherung können erst danach gemacht werden. Ist der Täter noch im Haus, gilt: 110 anrufen und Abstand halten.
Rechte von Mietern und Vermietern
Vermieter sind nicht verpflichtet, zusätzliche Sicherungen einzubauen, müssen aber bestehende Anlagen instand halten. Mieter dürfen keine baulichen Veränderungen vornehmen, ohne Genehmigung des Vermieters. Bei Investitionen des Vermieters in Sicherheitstechnik kann dieser die Kosten auf den Mieter umlegen.
Gesetzliche Grundlagen dazu finden sich im Bürgerlichen Gesetzbuch und in den Bauordnungen der Länder. Dazu zählen:
- Abschließbare Haustüren
- Funktionierende Fensterverriegelungen
- Reparaturpflicht bei defekten Schlössern oder beschädigten Scheiben
Einbrüche sind oft vorhersehbar – und häufig vermeidbar. Wer frühzeitig handelt, Fenster und Türen sichert und mit den Nachbarn zusammenarbeitet, kann das Risiko deutlich senken.
Quelle: RBB24