Mittelalter trifft Moderne
Mittelalter trifft Moderne, Foto: pixabay

Viele verbinden die Hanse nur mit Hamburg, Bremen oder Lübeck. Doch auch kleinere Städte prägten diesen mächtigen Bund im Mittelalter. Heute erleben einige von ihnen eine Renaissance – als kulturelle und touristische Ziele. In Deutschland tragen rund 100 Städte heute wieder den Titel „Hansestadt“. Dahinter stehen nicht nur historische Gründe, sondern auch touristische Hoffnungen. Besonders im Rahmen des „Hansetages“, eines internationalen Treffens europäischer Hansestädte, bekommen diese Orte Aufmerksamkeit. Neben den bekannten Metropolen zählen auch weniger bekannte Städte wie Haltern am See, Brilon, Marienmünster oder Uelzen zum Hansebund. Diese Orte vereinen mittelalterliches Erbe, landschaftliche Schönheit und kulturelle Vielfalt.

Inhaltsverzeichnis:

Haltern am See als Handelsstützpunkt an der Lippe

Haltern am See war bereits im 16. Jahrhundert Teil der Hanse, dank seiner Lage zwischen Münster und Köln. Die befestigte Stadt mit dem Siebenteufelsturm und dem Rathaus von 1577 zeugt vom damaligen Wohlstand. Funde aus der Römerzeit, wie Waffen und Münzen, sind im Römermuseum zu sehen.

Heute zieht Haltern Erholungssuchende und Kulturliebhaber an. Besonders beliebt ist der Stausee mit einem 1000 Meter langen Sandstrand. Weitere Attraktionen:

  • 51 Wanderwege rund um Wälder und Seen
  • Antike Spuren im Stadtraum
  • Ein aktives Kulturprogramm in der Altstadt

Die Stadt mit rund 38.000 Einwohnern verbindet Historie und Moderne – mit Wasserwerk, Stevertalsperre und guter Infrastruktur für Kongresse.

Brilon mit Fachwerk und uralten Rathäusern

Mit fast 80 Quadratkilometern Waldfläche ist Brilon die größte kommunale Waldbesitzerin Deutschlands. Die Altstadt mit dem ältesten Rathaus des Landes zieht viele Besucher an. Früher war Brilon Hauptstadt des Herzogtums Westfalen und Teil des Hansebunds.

Wandern ist hier besonders beliebt. Der 157 Kilometer lange Rothaarsteig startet in Brilon. Weitere Highlights:

  1. „Briloner Kammweg“ mit Gütesiegel „Wanderbares Deutschland“
  2. Mitgliedschaft im Netzwerk „Sauerland-Wanderdörfer“
  3. Nahe gelegenes Mühlental mit über 1000 Quellen

Die Region bietet 2000 Betten für Gäste – ideal für Aktivurlaub in der Natur.

Marienmünster mit Benediktinerabtei und barockem Herrenhaus

Marienmünster liegt im Kreis Höxter zwischen Weser und Teutoburger Wald. Der heutige Hauptort Vörden spielte früher eine untergeordnete Rolle, gehört aber zum modernen Hansebund.

Bekannt ist Marienmünster vor allem für:

  • Die Benediktinerabtei mit romanisch-barocker Kirche
  • Eine prachtvolle Orgel mit Konzertreihe
  • Ein barockes Herrenhaus von 1730

Die Stadt ist ein beliebter Ausgangspunkt für Ausflüge ins Weserbergland und punktet mit landschaftlicher Ruhe sowie historischer Bausubstanz.

Uelzen zwischen Gotik und Hundertwasser

Uelzen wurde im 14. Jahrhundert zu einem wichtigen Handelszentrum mit Verbindungen nach Spanien, England und Livland. 1470 fand dort der erste Hansetag statt. Danach folgte ein langer Niedergang durch Kriege und Pest.

Heute lohnt sich der Besuch wegen:

  • Fachwerkstraßen wie der Lüneburger Straße
  • Der gotischen St.-Marien-Kirche und der Heiligen-Geist-Kapelle
  • Dem Bahnhof im Stil von Friedensreich Hundertwasser

Der Hundertwasser-Bahnhof zählt zu den schönsten der Welt. In der Umgebung gibt es idyllische Ziele wie den Oldenstädter See oder die Woltersburger Mühle.

Naumburg (Saale) mit UNESCO-Dom

Die Domstadt Naumburg liegt malerisch in den Tälern von Saale und Unstrut. Der Dom St. Peter und Paul gehört seit 2018 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Im Mittelalter war die Stadt ein bedeutendes Hansezentrum.

Sehenswürdigkeiten:

  • Renaissancehäuser am Marktplatz
  • Stadtkirche St. Wenzel mit Bach-geprüfter Orgel
  • Burgen in der Weinlandschaft rund um die Stadt

Trotz ihrer Geschichte ist die Stadt heute ruhig – ideal für kulturelle Auszeiten und Weinreisen.

Mühlhausen mit Stadtmauer und Geschichte

Die thüringische Stadt Mühlhausen trat 1430 der Hanse bei – gemeinsam mit Erfurt und Nordhausen. Im Mittelalter war sie ein Zentrum der Textil- und Lederverarbeitung. Noch heute ist die gut erhaltene Stadtmauer ein Wahrzeichen.

Weitere historische Höhepunkte:

  • Die Marienkirche und zehn weitere gotische Gotteshäuser
  • Wohnhaus Friedrich Nietzsches als Museum
  • Der mittelalterliche Stadtkern mit Fachwerk und engen Gassen

Im 14. Jahrhundert zählte Mühlhausen zu den größten Städten Mitteldeutschlands.

Tangermünde mit Burg an der Elbe

Tangermünde wurde 1368 als Hansestadt erwähnt. Die Lage an der Elbe ermöglichte florierenden Handel mit Tuch, Getreide und Holz. Heute ist die Stadt ein Schmuckstück der norddeutschen Backsteingotik.

Touristische Anziehungspunkte:

  • Rathaus von 1430 mit Schaugiebel
  • Fachwerkhaus von 1543 mit Burgmuseum
  • St.-Stephans-Kirche mit 87 Meter hohem Turm

Mehrere Themenrouten rund um Tangermünde erzählen von Fontane, Bismarck und Hansezeit.

Osterode im Harz mit Bergbaugeschichte

Osterode profitierte einst stark vom Harz-Bergbau und war durch die Hanse europaweit vernetzt. Heute lädt die Stadt mit Fachwerkhäusern, Kirchen und der Burgruine zu Entdeckungstouren ein.

Besonderheiten:

  • „Segway“-Touren durch die Altstadt
  • 2200 Kilometer Mountainbikestrecken
  • Wanderrouten und Fliegenfischen

Die Kombination aus Sport, Geschichte und Natur macht Osterode attraktiv für moderne Hanse-Entdecker.

 Quelle: Reise Reporter